Jörn Borchert schreibt in seinem Blog „Kulturelle Welten“ über die Impressionismus-Ausstellung in Köln:

„In Köln […] konzentriert [man] sich auf die Basics der Malerei und veranstaltet wohl erstmalig in einem deutschen Kunstmuseum eine Ausstellung, die mehr tut, als Bilder an die Wand zu nageln.“

Und am Ende seiner begeisterten Ausstellungsbesprechung heißt es: „Das zeitigt nicht nur Erkenntnisse, die gewöhnliche Kunstausstellungen nicht liefern, sondern holt die Kunstwerke vom hohen Sockel der Kunst, lässt sie als inspirierende Artefakte erscheinen […]“.

Der Unterschied zwischen dem Begriff „Ausstellung“ im Kunstmuseum und in allen anderen Arten von Museen beschäftigt mich seit langem. An verschiedenen Stellen habe ich formuliert, dass auch ein Kunstwerk Teil der vergangenen Lebenswelt ist und über den ästhetischen Genuss hinaus nur im Kontext der historischen Erzählung verstanden werden kann. Eine Präsentation an der nackten Wand, als erklärendes Medium nur ein Texttäfelchen mit Titel des Werks und Lebensdaten des Künstlers, lässt den kunsthistorisch nicht oder wenig vorgebildeten Besucher mit dem Kunstwerk alleine. Auch Führer und Audioguides ersetzen nicht die Erzählung, die Geschichte, in die das Kunstwerk ebenso wie jedes andere Exponat gehört.

Dies gilt gerade für Werke der Moderne, die nach dem Bruch mit dem Mimesisgebot Wirklichkeit verzerren, verfremden, abstrahieren, die sich dem einfachen ästhetischen Genuss durch Provokation verschließen und so kunsthistorisch wenig gebildeten Betrachtern fremd bleiben bis hin zur Ablehnung.

Noch stärker befremdet die isolierte Präsentation dort, wo sich der Kunstcharakter von Artefakten allein aus der Deklaration als Kunst durch den Künstler ergibt – ein Filzanzug wird nur dadurch zum Kunstwerk, dass Joseph Beuys ihn zu einem solchen erklärt und in einen Interpretationsrahmen eingefügt hat. Dies muss eine Ausstellung solcher Artefakte berücksichtigen: Ohne Beuys kann nur der Gebildete den Kunstcharakter erkennen, weil er weiß, dass der Anzug ein Kunstwerk von Beuys ist, weil er weiß, welche Bedeutung Joseph Beuys in der Bildenden Kunst der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg hat.

Die Isolierung von Kunstwerken in Ausstellungen von anderen Artefakten und Medien ist künstlich und letztlich Ausfluss der bürgerlichen Ästhetik des 19. Jahrhunderts. Diese Isolierung kann jedoch in einem Ausstellungskontext aufgehoben werden, in dem die gesamte vergangene Lebenswirklichkeit gezeigt und erzählt werden soll.

Peter Wanner