So überschreibt die Heilbronner Stimme heute einen Artikel, und fügt im Untertitel hinzu: „Bürger sind empört“ (HST vom 15.02.2010).

Es geht hier um ein Thema, mit dem der Lokalhistoriker oft konfrontiert wird. Ein Thema, bei dem er gerne zwischen die Fronten gerät: Auf der einen Seite die kühlen Wirtschaftslogiker, auf Effektivität und Profitmaximierung bedacht (im aktuellen Heilbronner Fall noch dadurch verkompliziert, dass hinter dem abreißenden Unternehmen der Heilbronner Ehrenbürger und Bildungsmäzen Dieter Schwarz steht), auf der anderen Seite engagierte Bürger, denen beim Anblick eines schönen Hauses aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg das Herz aufgeht (noch präziser ausgedrückt: Beim Anblick eines Hauses, dessen Gestaltung noch nicht der kühlen Bauhaus-Ästhetik folgt).

Warum gerät der Lokalhistoriker zwischen die Fronten? Weil er einerseits nicht per se ein Denkmalschützer  ist, der jedes alte Haus wertvoll findet. Zumal dann nicht, wenn es wie das im aktuellen Beispiel schon seit Jahren regelrecht erdrückt wird von häßlichen Gewerbebauten und deshalb wenig „Quellenwert“ für die Stadtgeschichte hat: Es war an dieser Stelle ein für seine ehemalige Funktion nicht mehr aussagekräftiges Beispiel. Und es hatte durch seine Lage keine stadtbildprägende Funktion.

Andererseits schlägt das Herz des Lokalhistorikers fast naturgemäß dennoch auf der Seite der Denkmalschützer, zumal in einer Stadt wie Heilbronn, deren ältere Bausubstanz in der Innenstadt durch einen furchtbaren Luftangriff am 4. Dezember 1944 vollständig zerstört wurde. Und die in der Nachkriegs-Wiederaufbau-Wirtschaftswunderzeit viel dazu getan hat, um auch noch intakte oder wenig zerstörte Gebäude ebenfalls zu beseitigen. Das für viele Bürger abschreckendste Beispiel ist die Sprengung des Jugendstil-Theaterbaus von Theodor Fischer im Jahr 1970.

Der Lokalhistoriker sucht sich deshalb seinen Weg von Fall zu Fall, irgendwo im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Denkmalschutz, im Zweifel für die Stadtgeschichte.