Die Arbeit als Stadt- oder Lokalhistoriker wird weniger durch die historische Forschung als durch die Vermittlung von Geschichte bestimmt. Unter der Perspektive der Vermittlung rückt der mediale Aspekt der historischen Quelle in den Vordergrund – im Sinne der klassischen Quellendefinition als „alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen, aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann“ (Paul Kirn zit. n. Ahasver von Brandt, Werkzeug des Historikers).

Dieser mediale Aspekt betrifft zunächst den forschenden Historiker, der über die Fachkenntnisse verfügt, um einer Quelle die Informationen zu entlocken, die zur Kenntnis der Vergangenheit beitragen. Er ist aber auch vermittelnder Historiker, indem er die Informationen für den Laien übersetzen kann. Das funktioniert manchmal mit der Quelle selbst; häufiger bedarf es weiterer Medien, um diese Kenntnisse zu vermitteln.

Das Medium des Historikers ist klassischerweise der Text, der Fachaufsatz, das Fachbuch, der Fachvortrag. Daneben stehen Bildquellen, gegenständliche Zeugnisse, Baudenkmäler etc. – jede Epoche hat so etwas wie ihre Leitquellengruppen, etwa das hohe Mittelalter die Urkunden, das 20. Jahrhundert Zeitungen und Filme. Je nach dem Rahmen, der für eine historische Vermittlungsaufgabe gesetzt ist – Ausstellungen und Führungen, Publikationen und Vorträge, Schulunterricht oder Internetpräsentationen – können Quellen medial eingesetzt werden, zusammen mit allen anderen Medien, die geeignet sind, die historische Erzählung dem je anzusprechenden Publikum zu vermitteln.

Diese je spezifischen Formen möchte ich in lockerer Folge an konkreten Beispielen beleuchten, beginnend mit dem Film als einer der eindrücklichsten Quellengruppen für die Geschichte des 20. Jahrhunderts – eindrücklich deshalb, weil der Film die umfänglichste Darstellung des Lebens in der Vergangenheit darstellt, die zudem für die Betrachter am einfachsten zu entschlüsseln und zu verstehen ist; bewegte Bilder, zumal vertonte, bedürfen scheinbar keiner weiteren Information.

Dass dem nicht so ist, weiß jeder, der das Medium in seine historische Erzählung einbeziehen will. Gerade der Film mit seinen scheinbar authentischen Bildern und O-Tönen bedarf der Quellenkritik. Wenn dies jedoch geleistet wird, wirken Filme als das attraktivste Medium der historischen Bildungsarbeit – das zeigt der große Erfolg historischer Dokumentationen in den Fernsehprogrammen, aber auch im Bereich der Stadtgeschichte von Filmkompilationen wie der Filmreise-Reihe des Hauses des Dokumentarfilms in Stuttgart. Auch für Heilbronn liegt eine solche Kompilation aus v.a. Vorkriegsfilmen vor; der Trailer dazu steht auch auf Youtube:

Heilbronn – Eine Filmreise in die Vergangenheit

Allerdings zeigt die Einbettung historischer Filme in eine solche Kompilation auch die Problematik des Umgangs mit dem Medium Film: Es entsteht ein neuer „Film“ mit einer eigenen Geschichte; die einzelnen Filmausschnitte verlieren an Aussagekraft, wo sie über die vom Drehbuch des Autors der Kompilation betonten Inhalte hinaus wirken könnten.

Ein Einsatz solcher Filmausschnitte in einem Vortrag oder einer Ausstellung kann deshalb vom historischen Bildungsgehalt her aussagekräftiger sein.