Das bin ich noch schuldig (auch wenn schon wieder Monate dazwischen liegen): Den Bericht über den Besuch in Prora. Bevor also die Erinnerung vollends verblasst: „Erinnerungsarbeit ohne Büßerhemd“ ist wohl tatsächlich so gemeint, dass man sich der DDR-Vergangenheit nicht schämt. Das ist bis dahin auch in Ordnung.

Aber das Museum mit den vielen Etagen und vielen Räumen ist vollgestopft mit verschiedensten Objekten und Erinnerungsstücken; die Dinge sollen wohl für sich sprechen, es gibt wenig Erzählung, nur distanzlose Aufzählung, und wenn es sich dabei um Volksarmee-Souvenirs, -Waffen, -Propagangamaterial, -Bilder etc. handelt, wird die historische Realität auf dieses eine Bild reduziert. Hier bekommen ehemalige NVA-Soldaten nostalgische Gefühle.

„Ohne Büßerhemd“ meint hier offensichtlich: Ohne Gegenentwurf. Ohne Kritik. Ohne Sowohl-als-auch. „Objektivität“ – wie sie von den Machern in Prora für sich in Anspruch genommen wird – entsteht jedoch nicht durch kommentarloses Aneinanderreihen eines Wirklichkeitsausschnitts, schon gar nicht in jenem  so genannten „Freundschaftsraum“ (oder so ähnlich), in dem verherrlichende Souvenirs der sozialistischen Bruderländer ausgestellt werden, darunter auch aus der Demokratischen Republik Kampuchea des Menschenschlächters Pol Pot.