Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt zur Zeit in einer Landesausstellung „Hans Holbein d. Ä. Die Graue Passion in ihrer Zeit„. Im Zentrum stehen zwölf Altartafeln, die Holbein um 1500 mit teilweise monochromen Darstellungen der Passion Christi gestaltet hat – ein phantastisches Werk, zentral im Eingangsraum der Ausstellung präsentiert.

Links und rechts des zentralen Raums schließen sich weitere an – rechts mit weiteren Passionsdarstellungen von Hans Holbein und anderen Künstlern seiner Zeit, links werkbezogen mit Vorlagen, Skizzen und einem Bericht über die Restaurierung von Holbeins „Grauer Passion“.

Wer jedoch aufgrund des Untertitels der Ausstellung – „Die Graue Passion in ihrer Zeit“ – eine Bezugnahme auf die Zeit der Wende vom 15. ins 16. Jahrhundert erwartet, auf die Umwälzungen in Kultur und Gesellschaft, auf Glaubenskonflikte und soziale Unruhen, der hofft vergebens. Die Kunst „in ihrer Zeit“ wird nur durch Kunst dieser Zeit begleitet – halt, mit einer Ausnahme: Im zentralen Raum steht an der Seitenwand eine Vitrine mit Rüstungsteilen der Zeit und schafft so den Bezug zu den Menschen auf den Bildern der Passion.

Meiner Meinung verschenkt die Ausstellung so die Möglichkeit, die Kunst nicht nur über die biblische Geschichte zu erschließen, sondern auch über „ihre Zeit“, die auf so vielen  Ebenen in die Darstellung hineinwirkt – von den an ihren Turbanen erkennbaren Osmanen, die – damals brandaktuell! – die Türkenkriege thematisieren, bis hin zu den Landschaften und Städten mit ihren Befestigungen im Hintergrund oder den sehr ausdrucksstarken Gesichtszügen der dargestellten Personen, oft durch Fratzenhaftigkeit die Vorbilder bewertend.

Auch über Hans H0lbein hätte ich gerne mehr erfahren als die dürre Chronologie an der Eingangswand (die wohl mehr als ein Dutzendmal das Adverb „wohl“ enthält).