Gerade habe ich den Fragebogen ausgefüllt, den einer der kulturhistorischen Vereine im Land in diesen Tagen an seine Mitglieder verschickt hat – „ein Verein, der wie andere auch, mit Problemen wie etwa ungenügendem Zustrom jüngerer Mitglieder, Rückgang der Mitgliederzahl, Schmälerung der Vereinsfinanzen und mit Problemen in der Außendarstellung zu kämpfen hat.“

So formuliert das Begleitschreiben die Situation in allen diesen Vereinen. Mit versandt wurde ein  „Positionspapier“, das mit den Worten beginnt: „Der Begriff Heimat hat wieder vermehrt Konjunktur“ […].

Am Ende des Papiers heißt es:

„Bei der zunehmenden Nutzung des Internets sollte auch über aktuelle technische Möglichkeiten wie den Ausbau der Homepage und des elektronischen Infobriefes verstärkt nachgedacht werden.“

An dieser Stelle wird dem kritischen Mitglied überdeutlich, wie hoffnungslos veraltet auch dieser Verein daher kommt – Ausbau der Homepage war gestern. Und den Satz vom Begriff Heimat, der Konjunktur hat, habe ich vor 25 Jahren gerne zitiert. Er war schon damals eher hoffnungsvolle Behauptung denn Beschreibung einer tatsächlichen „Heimat“-Konjunktur.

Das dahinter stehende Problem trifft alle Kultur-, Geschichts- und Heimatvereine. Sie kämpfen mit dem demographischen Wandel und den tiefgreifenden kulturellen Veränderungen der Gegenwart.

Es stellt sich die Frage, ob wir solche Vereine in Zukunft brauchen. Sie werden zunehmend  überflüssig, weil zum einen die Beschäftigung mit der Geschichte und die gerade für historische Vereine immer so wichtig gewesene „Laiengeschichtsschreibung“ heute andere Wege haben – in der Wikipedia-Community, die schon lange die professionelle Fundierung der lokalen Geschichtsbilder abgelöst hat. Eine fließige Schar sehr engagierter Geschichtsfreunde schafft dort ohne Vereinsstrukturen ein umfassendes und eng vernetztes historisches Narrativ.

Auf der anderen Seite bieten die Netzwerke und interaktiven Informationskanäle des Web 2.0 ausreichend Möglichkeiten zur Kommunikation innerhalb dynamisch sich verändernder und sich immer wieder neu zusammensetzender Gruppen; diese Art der Selbstorganisation kommt ohne starre und bürokratische Regeln und Satzungen aus, ohne langweilige Mitgliederversammlungen und Ausschusssitzungen.

Den Vereinen bleibt nur noch eine Funktion: In der Öffentlichkeit als anerkannte Instanz in kulturellen und historischen Fragen Stellung zu beziehen, Denkmäler zu schützen, Grünzüge frei zu halten, Aktionen zu starten, politisch zu sein.

Das setzt jedoch eine neue politische Kultur innerhalb der Vereine voraus, die sich vielfach als Honoratiorenvereine verstehen, die keinem weh tun wollen. Das muss sich ändern, falls sie überleben wollen, falls sie auch in Zukunft eine Rolle spielen möchten…