So heißt es heute in einem Artikel der Heilbronner Stimme über ein ganz absonderliches Thema: Reiseastrologie. Mit der abstrusen Behauptung: „Auch Städte und Länder  stehen unter einem bestimmten Tierkreiszeichen“.

Selbst wenn man Astrologie nicht als kompletten Unsinn, sondern als Glaubenssache betrachtet: Eine Übertragung der Lehre, dass die astronomische Konstellation bei der Geburt eines Menschen Einfluss auf dessen Leben und Schicksale hat, auf Städte und Länder ist ein für mich schier unbegeiflicher Schwachsinn. Warum? Weil Städte und Länder keinen Geburtstag haben. Keinen konkreten Geburtstag, dessen astronomische Konstellation bestimmbar wäre. (Mit Ausnahmen: Wenn eine Neugründung an einem bestimmten Tag dokumentiert ist, wenn etwa bei der Besiedlung Nordamerikas eine Siedlergruppe an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort die Wagenburg gebaut hat, aus der ein Ort entstanden ist.)

Ausgedacht scheint sich diesen Unsinn eine Juristin aus München zu haben, die in dem Artikel ausführlich porträtiert und mit dem bedauernden Satz zitiert wird, „einen Aszendenten haben sie [die Städte; PW] aber nur dann, wenn man die genaue Uhrzeit ihrer Gründung kennt, was in der Regel nicht der Fall ist“. Hätte die Juristin während ihres Studiums doch im Studium generale auch mal eine historische Vorlesung besucht, hätte sie vielleicht die allgemein verbreitete Tatsache zur Kenntnis nehmen können, dass es unmöglich ist, die Entstehung von Dörfern, Städten, Ländern auf ein bestimmtes Datum festzulegen.

Das zeigt sich natürlich auch bei der zitierten Heilbronner Jungfrau: „Heilbronn wurde am 9. September 1281 das Stadtrecht verliehen. Damit ist dieses Datum das astrologische Geburtsdatum.“ Noch einmal: Selbst wenn man an Astrologie glaubt, handelt es sich dabei um eine rein willkürliche Festlegung, die keineswegs als Geburtsstunde der Stadt Heilbronn gelten kann. Die Ansiedlung Heilbronn ist 822 erstmals erwähnt, mit Verweis auf eine Schenkung der Kirche in der Siedlung an das Bistum Würzburg im Jahr 741. Auch das war keineswegs die Geburtsstunde; sie lag wohl im 6. oder 7. Jahrhundert, zur Zeit der Merowinger. Dass die Siedlung zur Stadt wurde – könnte man ja womöglich auch als Geburtsstunde nehmen – lag auch schon vor dem genannten Datum, beginnend schon im 11. Jahrhundert, 1225 heißt Heilbronn erstmals „oppidum“, wenig später „civitas“, und dass König Rudolf das erste bekannte Stadtrecht (auch das: womöglich gab es schon vorher eines, das wir nicht kennen) am 9. September 1281 – während eines Aufenthalts in (Schwäbisch) Gmünd – erließ, war mehr oder minder Zufall. Vier Wochen später, und Heilbronn wäre Waage  geworden?

Schlimm wird das Ganze dadurch, dass eine nach ihrem Selbstverständnis seröse Tageszeitung solch einen Unfug schreibt. Dass sie nicht historischen Sachverstand abfragt vorher. Wie gesagt: Selbst wer an Astrologie glaubt, muss sich über diesen historisch unhaltbaren Quatsch ärgern. Und über den Raum, den er in der Presse findet.

Herr schmeiß Hirn ra!

(Alle Zitate stammen aus der Heilbronner Stimme vom 31.12.2011, S. 25. Autorin des Artikels ist die Redakteurin Marita Käckenmeister.)