Stolpersteine Hundsbergstr. 41/1Heute hat der Kölner Künstler eine Reihe weiterer Stolpersteine in Heilbronn verlegt. Inzwischen erinnern hier 149 Steine an 53 Stellen an Heilbronner Opfer des Nationalsozialismus.

Es ist noch nicht lange her, da wurde in Karlsruhe über eine Einstellung des Stolperstein-Projekts berichtet. Angeblich führte der Gedanke Gunter Demnigs, neben den Mordopfern auch Steine für überlebende Familienmitglieder zu verlegen, zu einer „nicht mehr finanzierbaren Inflation von Steinen“.

Wir sind in Heilbronn an etlichen Stellen dem Gedanken gefolgt, die auseinandergerissenen und zerstörten Familien in dieser Form wieder zusammenzuführen. So auch heute vor dem Anwesen Hundsbergstr. 41/1 für die ermordete Emma Pakscher und ihre überlebende Tochter Alice Pfleiderer. Sie war die Witwe eines christlichen Heilbronners und wurde in den letzten Kriegsmonaten von einem Nachbarn versteckt (Details finden sich auf der neu gestalteten Webseite des Heilbronner Stolperstein-Projekts).

In einem Kommentar in den Badischen Neuesten Nachrichten vom 9. Mai 2017 kommentiert die Redakteurin Tina Kampf:

Früh wurde in der Fächerstadt der Kreis relativ weit gefasst: Nicht nur für Juden, Sinti und Roma, sondern auch für Homosexuelle, Gewerkschafter oder politisch Verfolgte wurden Stolpersteine verlegt, wenn sie von den Nazis ermordet worden waren. Opfer ist Opfer, das war die Devise, bei der einige eine gewisse Inflation ausmachten.

Dieser Satz macht mich betroffen: Warum soll an ermordete „Homosexuelle, Gewerkschafter oder politisch Verfolgte“ nicht erinnert werden? Gibt es bessere und schlechtere Opfer? Der Vorwurf der „Inflation“ ist zynisch: Denn für die unermesslich hohe Zahl der Opfer haben die Nazis gesorgt.