„Geistesblitze. Die größten Erfindungen und Entdeckungen der Menschheit“ – unter diesem Titel erscheint das aktuelle Sonderheft der Reihe „Geschichte“ des Magazins „Der Spiegel“. Schnell  blättert sich der neugierige Heilbronner Historiker durch das Heft, auf der Suche nach einer Erwähnung des nach Heilbronner Selbstbild berühmtesten Heilbronners. Vergeblich.

In Heilbronn wurden und werden Sätze wie dieser über Mayer gedruckt:

„Dr. Julius Robert von Mayer verdanken wir die wichtigste physikalische Einsicht des 19. Jahrhunderts.“

(Schrenk, Christhard: Robert Mayer im Spiegel der Wissenspausen. In: Wissenspause 2014. Robert Mayer – Einsichten, Erkenntnisse, Aktualität. Heilbronn 2015, S. 162)

Aber abgesehen davon, dass Mayer erst ein halbes Jahrhundert nach der Veröffentlichung seiner Erkenntnisse in den Adelsstand erhoben wurde und das „von“ nie selbst im Namen geführt hat: Ist das wirklich so? Oder hat die Spiegel-Redaktion recht, ihn mit keinem Wörtchen zu würdigen – seinen großen Konkurrenten James Prescott Joule übrigens auch nicht; im Interview mit Wolfgang M. Heckl, Direktor des Deutschen Museums in München, ist die Rede vom „Energieerhaltungssatz, der […] um 1850 endgültig von Hermann von Helmholtz formuliert worden war“ („Der Mensch war immer ein Fragender“. Interview mit Wolfgang M. Heckl. In: Geistesblitze. Spiegel-Geschichte (2017) Heft 4).

In der älteren Literatur über den Heilbronner Stadtarzt Mayer steht das Thema „Prioritätsstreit“ im Mittelpunkt: Die fundamentale Erkenntnis, dass in einem abgeschlossenen System die Summe der Energie immer gleich bleibt, haben andere Wissenschaftler fast zeitgleich – und ohne Mayers Erstveröffentlichung zu kennen – publiziert: „Alle diese Forscher erwähnten in ihren Veröffentlichungen Robert Mayer mit keinem Wort“ (Schrenk, Christhard: Robert Mayer im Spiegel der Wissenspausen. In: Wissenspause 2014. Robert Mayer – Einsichten, Erkenntnisse, Aktualität. Heilbronn 2015, S. 166).

Und das heißt doch: Wir verdanken diese Einsicht nicht Mayer, der von den Zeitgenossen überhaupt nicht rezipiert wurde. Vielmehr war die Zeit reif dafür, und Joule und Helmholtz und wie sie alle heißen haben diese Einsicht bekannt gemacht. Sie haben sie in die Lehrbücher gebracht, nicht der „verrückte Mayer“, wie er in Heilbronn genannt wurde. Mayer hat den Satz als erster veröffentlicht, das wurde später auch von den Konkurrenten anerkannt. Aber die Wissenschaftsgeschichte ist sehr gut ohne ihn ausgekommen, bis hin zum neuesten Spiegel-Geschichte-Heft.