Mit dem neuen Heft der „Schwäbischen Heimat“ flattert heute ein Faltblatt mit Werbung für „Literarische Spuren. Eine Reihe über den deutschen Südwesten“ ins Haus. Unter dem Stichwort „Literaturland Baden-Württemberg“ veröffentlichen das Deutsche Literaturarchiv Marbach und die Arbeitsstelle für literarische Museen kleine Broschüren, jeweils die 16 Seiten eines Druckbogens umfassend. Eine Karte von Baden-Württemberg zeigt die Orte der bisher 104 Spuren in unserem Bundesland.

Ein Blick auf diese Karte zeigt: Der Nordosten des Landes ist leer. Unliterarisch. Bedeutungs- und literaturlos scheint das Land zwischen Lauffen (Hölderlinstadt) und der Grenze zu Bayern zu sein. Literarisch nichts los in Heilbronn (immerhin zur Orientierung eingezeichnet), und schon gar nicht in Hohenlohe und dem badischen Frankenland. Badisch-Sibirien halt. Nur Künzelsau sticht rot mit der Nr. 87 hervor – hier hat der (Heilbronner) Rainer Moritz über „Hermann Lenz und Künzelsau“ geschrieben.

Absicht oder Zufall? Kein Eduard Mörike in Cleversulzbach und in Bad Mergentheim? Kein Götz von Berlichingen in Heilbronn? Kein Mark Twain entlang des Neckars, kein Käthchen auf dem Alten Friedhof, keine Seherin von Prevorst in Löwenstein, kein Goethe und der Kuss von Hardheim? Mangel an AutorInnen oder altwürttembergischer Zentralismus?

Vielleicht ist ja noch eine Ausweitung geplant – diese Karte der Literarischen Orte in Baden-Württemberg lässt Hoffnung schöpfen…